Die Organisiertheit des Bildraumes mit seinen hell und leicht gefärbten Peripherieflächen verhilft dem Betrachter zum "Aussteigen" aus dem Karussel von Dynamik und Spannung, das starken Aufforderungscharakter besitzt, aber Freiraum bietet. Zentrale Punkte im Bild, die die Aufmerksamkeit magisch fokussieren, sind durchwegs sehr dunkle, geballte, kontrastierende Flächen, die dem Auge jedoch durch Schattierungen Spielraum und Bewegungsfreiheit lassen, dem Betrachter Leben und werdende Bewegung noch im dunkelsten Schatten offenbaren.

Für Sigi Kulterer bedeutet die künstlerische Betätigung eine selbsttherapeutische Aufarbeitung innerer Spannungen und Gefühlsverdichtungen, die sich z.B. durch Beziehungskonflikte ergeben hätten, indem er aggressive (auch autoagressive) Potentiale in Farbe, Form und Motorik auf Leinwand kanalisiere und auf diesem karthatischen Wege einer neuen Inneschau Platz mache, deren Hervorbrechen er am Bild auch andeute.


* Interpretation: Mag. Roswitha Stetschnig - Schriftstellerin Das Malen habe ihm zu einem ruhigeren, ausgeglicheneren Wesen verholfen. Kulterer sieht in den dargestellten Seelenlanschaften, die Konfliktgestalten aus dem persönlichen Unbewussten projezieren, auch ein Medium zur Offenbarung archetypisch-kollektiver Konfliktgestalten. So wird der persönliche Kampf der innenwohnenden, ambivalenten Triebregungen von Liebe und Hass zu einem Synonym für den Kampf der Völker in Form von Heimatliebe und Fremdenhass, die persönliche Bewältigung und Überhöhung in der Subliminierung aber zum Friedensangebot.*

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